Donnerstag, 27.11.2014 - 18:15 Uhr

Ernährung und Mikrobiom

Vortrag von Prof. Dr. Dirk Haller, ZIEL - Research Center for Nutrition and Food Sciences Biofunctionality Unit (ZIEL) Technische Universität München

Vortragsreihe Winter 2014-15

Veranstaltungsort



Hörsaal ESA1 West (Raum 221)
Universität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1
20146 Hamburg

Abstract

Der Darm bietet Lebensraum für eine enorme Zahl an Mikroorganismen, und ist das am dichtesten besiedelte mikrobielle Ökosystem, das die Natur zu bieten hat. Die Gesamtheit dieser komplexen Mikrobiota, einschließlich deren Gene, wird auch als intestinales Mikrobiom bezeichnet. Die Etablierung neuer Technologien im Bereich der Hochdurchsatzsequenzierung hat die Erforschung dieses Lebensraumes revolutioniert. Je größer allerdings die Fortschritte in der Beschreibung des Mikrobioms von gesunden und erkrankten Bevölkerungsgruppen sind, umso deutlicher wird der Mangel an kausaler Information zur Wirkung des mikrobiellen Ökosystems auf die Gesunderhaltung des Menschen. Enorme Anstrengungen der beiden  Sequenzierungskonsortien aus USA (Human Microbiome Project; HMP) und Europa (Metagenomics of the Human Intestinal Tract; MetaHIT) über die vergangenen fünf Jahre lieferten hochinteressante Einblicke in die taxonomische und funktionelle Welt des intestinalen Mikrobioms. Zahlreiche Studien verdeutlichen den enormen Einfluss von Lebensraum, Alter, Ernährung oder Erkrankungszustand (Adipositas, Typ 2 Diabetes, Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen, Infektionen usw.) auf die Vielfalt und Zusammensetzung des mikrobiellen Milieus im Darm. Ernährung hat einen Einfluss auf das Mikrobiom, wobei die funktionelle Bedeutung dieser reziproken Interaktion speziell auch im Hinblick auf die Entstehung chronischer Erkrankungen unklar ist. Erste Studien liefern interessante Hinweise zur Bedeutung der Ernährung-Mikrobiota-Achse für den Menschen. Diese sind aber meist im Bevölkerungsquerschnitt angesiedeltet und lassen daher Fragen zur Kausalität weitestgehend offen. Eines ist allerdings klar, die intestinale Mikrobiota ist ein offenes Gleichgewicht mit vielen Variablen und individueller Zusammensetzung (Stamm- bis Speziesebene) … also ein sehr bewegliches Ziel. Mit Blick auf die Charakterisierung von Mechanismen zur wechselseitigen Beeinflussung von Mikroben und Wirt, sind Modellsysteme von großer Bedeutung. Die Kolonisierung keimfreier (steriler) Tiere, u.a. auch mit Relevanz für Krankheitsprozesse, mit definierten Mikroorganismen, ist ein wertvolles Hilfsmittel, die Mikroben-Wirt-Interaktionen zu studieren.   

Informationen über den Vortragenden

http://bflm.wzw.tum.de

Education
1990-1997 Food Technology, University of Hohenheim
1993-1996 Nutrition Science, University of Hohenheim
1996 Diploma in Nutrition Science ’summa cum laude’
1997 Diploma in Food Technology ’summa cum laude’
1999 Ph.D. in Microbiology and Immunology ’summa cum laude’
  ’Modulation of the immune response by non-pathogenic bacteria’
Career
1999-2000 Research Scientist at the Nestlé Research Center in Lausanne/Switzerland, Department of Immunology
2001-2002 DFG Emmy Noether research fellow of excellence at the University of North Carolina/USA, Department of Medicine
2003-2006 DFG Emmy Noether group leader of excellence at the Technical University of Munich/Germany
   
2005 Declined Associate Professorship at University of Alberta, Canada, Department of Medicine
2007 Declined Full Professorship at ETH Zürich, Switzerland, Nutritional Biochemistry (Chair)
   
2006-2008 Associate Professor (W2) at the Technical University of Munich, Experimental Nutritional Medicine
2008-2012 Full Professor (W3) at the Technical University of Munich Biofunctionality of Food (Chair)
   
2007 to date Head of Department, Nutrition and Food Sciences
2013 to date Full Professor (W3) at the Technical University of Munich, Nutrion and Immunology (Chair)

EMail: dirk.haller@tum.de