Donnerstag, 14.01.2016 - 18:15 Uhr

Therapie der morbiden Adipositas

Vortrag von PD Dr. med. Oliver Mann, Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Visceral- und Thoraxchirurgie Adipositas-Zentrum Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg

Vortragsreihe Winter 2015

Veranstaltungsort



Hörsaal ESA1 West (Raum 221)
Universität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1
20146 Hamburg

Abstract

Der Anteil der übergewichtigen Menschen und Menschen mit morbider Adipositas ist in den vergangenen Jahrzehnten in den Industrienationen und den Schwellenländern kontinuierlich angestiegen. Es wird geschätzt, dass 2,1Milliarden Menschen einen Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 haben und somit als übergewichtig zu bezeichnen sind. Mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung sind hierbei übergewichtig und mehr als 20 % sind adipös und krankhaft übergewichtig. Gemäß den Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO ist erstmals in der Menschheitsgeschichte der Anteil übergewichtiger und unterernährter Menschen nahezu gleich groß.

Die Adipositas ist mit einer Reihe schwerwiegender Begleiterkrankungen assoziiert, wie z.B. Insulin-Resistenz, Diabetes mellitus Typ 2, Lipidstoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Gallensteine, zahlreiche Karzinome, gastroösophagealer Reflux, Steatosis hepatis, degenerativen Gelenkserkrankungen, obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom, adipositas-assoziiertes Hypoventilations-Syndrom und anderen. Im Rahmen der Behandlung des krankhaften Übergewichts ist neben dem reinen Gewichtsverlust daher der Verlauf der gewichtsassoziierten Begleiterkrankungen von zentraler Bedeutung. Weiterhin ist Ziel dieser Behandlung, dass der Therapieerfolg von dauerhafter Natur ist.

Die Entstehung der Adipositas ist ein multifaktorielles Geschehen, welches auf eine langfristige positive Energiebilanz zurückzuführen ist. Zahlreiche psychosoziale Faktoren sowie eine genetische Prädisposition beeinflussen die Entstehung von Übergewicht. Somit muss auch die Therapie der Adipositas einen multifaktoriellen Ansatz vertreten. Neben Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien in einem interdisziplinären und interprofessionellem Kontext, gewinnt die Adipositaschirurgie durch die exzellenten Behandlungsergebnisse zunehmend an Bedeutung. Die unterschiedlichen Operationsverfahren wirken hierbei durch Nahrungsrestriktion, Malabsorption, veränderte hormonelle Regelmechanismen oder einer Kombination derselben. Sie unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich des Gewichtsverlaufs, der Beeinflussung der Komorbiditäten sowie der mit dem jeweiligen Operationsverfahren vergesellschafteten Morbidität und Mortalität.

Die bariatrische Chirurgie bietet derzeit bei morbider Adipositas in aller Regel die einzige Therapieoption, um sowohl das Gewicht signifikant und vor allem dauerhaft zu reduzieren als auch Auswirkungen der verschiedenen gewichtsassoziierten Nebenerkrankungen zu verhindern oder zumindest in relevantem Umfang zu vermindern.

CV

Herr Prof. Dr. med. Oliver Mann ist derzeit Stellvertretender Klinikdirektor und Leitender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Martinistr. 52, D-20246 Hamburg, Germany)

E-Mail: omann@uke.de